11.11.2014 Die Königstour „Siete Canadas“

Wir haben bisher sehr faszinierende, mehr oder weniger anstrengende Wanderungen, geplante und auch unverhoffte hinter uns. Manche haben mich an meine Grenzen gebracht, mein innerer Schweinehund wurde mehr als einmal besiegt, mein linker Ballen brennt noch immer ab Kilometer Fünf, egal, wie intensiv ich ihn verarzte. Aber heute ist der Tag der Krönung unseres Urlaubs mit der langen Tour entlang den Kraterrandbergen, dem Sendero No. 4 „Siete Canandas“. Als Belohnung wartet am Ziel eine Nacht im Parador mit Sonnenuntergang, Sternegucken und Sonnenaufgang genießen.

Ein bisschen bang ist mir schon, schaffe ich wirklich die lange Strecke? Heute abend werde ich es wissen!

Wie immer klingelt der Wecker sehr früh, gegen 8.00 Uhr müssen wir in La Laguna den Expressbus Linea 102 nach Puerto de la Cruz nehmen, damit wir auch ganz sicher den einzigen Bus des Tages zum Teide erreichen. Kennt jemand das Gedränge in der Drosselgasse zu Rüdesheim im Sommer? Ja? Na dann könnt Ihr Euch auch das Gedränge an der Bushaltestelle vorstellen.  In Reih und Glied stehen bzw. teilweise liegen Mountain Bikes und warten mit ihren Fahrern auf die Ankunft des Busses. Aus allen Richtungen strömen immer mehr Wanderer aber auch Paradorgäste mit Reisegepäck herbei. Ich glaube ohne Zimmerbuchung im Parador hätte ich die Kurve gekratzt und mir etwas anderes überlegt. Es bricht Hektik aus, als nur ein Bus eintrifft. Es beginnt ein Geschiebe und Gedränge am Buseingang, jeder blockiert den anderen beim Einsteigen, die Radfahrer drängeln sich auch noch an den Wartenden vorbei. Ein zweiter Bus kommt, doch es ist nicht eindeutig, ob er für die Teidestrecke eingesetzt wird. Eine Wandergruppe fällt angenehm auf, es ist die von Aventura Wandern mit Holger. Bevor ich ihn ansprechen kann, dirigiert er seine Teilnehmer ganz ruhig aus dem Gedränge nach hinten zum zweiten Bus und wir schaffen es endlich vorbei an dicken Bäuchen einzusteigen.

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Mit fast 40 Minuten Verspätung geht es endlich los, Richtung Orotava und dunkle Wolken. Aber wir Inselkenner wissen ja, jenseits der Passatgrenze wird die Sonne wohl grenzenlos sein. Am El Portillo endet unsere Fahrt, schnell noch einmal auf die Toilette, im Wanderführer die Richtung gecheckt und dann geht es los.

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Die ersten fünf Kilometer schaffe sogar ich in der vorgegebenen Zeit, wie wunderbar. Bei La Papelera gönnen wir uns eine erste Rast und genießen die Aussicht auf die Kraterberge und das Farbenspiel des Vulkangesteins. Die Sonne meint es gut mit uns, wir merken aber auch, dass es im Schatten arg kühl ist. Kein Wunder bei der Höhe von ca. 2.100  m und der Jahreszeit, deshalb haben wir ja genügend warme Kleidung dabei. Bald geht es weiter, unterwegs überholen uns andere Wanderer oder es kommen uns welche entgegen. Parkranger überholen uns zweimal  mit ihrem Fahrzeug und dann sind wir wieder alleine auf weiter Flur.

DSC01305 DSC01306 DSC01307 DSC01308 DSC01309 DSC01314 DSC01313 DSC01312In etwa nach weiteren zwei Kilometern passiert, was nur mir passieren kann, ein Stein liegt vor meinem linken Schuh und bevor ich ausweichen kann, liege ich auch schon im Vulkanstaub. Mein Rucksack rutscht mir über die Schulter und spielt mit meinem Kopf Ping-Pong, ich schreie nur noch laut „Gabriele“ und warte darauf, dass ich ohnmächtig werde. Doch zum Glück tritt das nicht ein und ich rappel mich mühsam auf. Total verdreckt im Gesicht, die Hose, das T-Shirt, alles was ich angepackt habe, auch die Sachen im Rucksack und mein Fotoapparat, den ich immer in der Hosentasche habe, hat auch einen Knacks abbekommen und musste ebenfalls Teidestaub „schlucken“. Mein linker Oberschenkel pocht, meine Rippen schmerzen, die Unterlippe schmeckt nach Blut und meine linke Augenbraue schwillt etwas an. Ich registriere für mich, gut, dass es kein spitzer Stein war sondern ein glatter sonst wäre wohl eine Arterie verletzt worden. Nachdem ich den Schock überwunden und mein Gesicht vom gröbsten Staub gereinigt habe, setzen wir unseren Weg fort. Ich hege insgeheim die Hoffnung, dass die Ranger ein drittes Mal an uns vorbei fahren und vielleicht mitnehmen. Soviel Glück ist uns dann doch nicht vergönnt und so wandern wir Schritt für Schritt dem Parador entgegen.

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P1060056 P1060057 P1060058 P1060052 P1060053 P1060054 P1060055 IMAG0074Bei Kilometer 13,7 will ich aufgeben und krächze „ruf die Bergrettung, ich kann nicht mehr“. Freundin Gnadenlos wettert auch sofort los „bist Du verrückt, die bringen Dich ins Krankenhaus oder träumst Du von einer Eskorte zum Parador? Ich will da übernachten und Du doch auch, also auf die Beine für den letzten Abschnitt!“ Wie habe ich sie da innerlich verflucht 😉 obwohl sie hat ja so Recht!

Endlich, nach sechs Stunden sahen wir das Ziel unserer Träume, nur noch dem schmalen Pfad (0,800 km)  durch laut Reiseführer sanft hügeliges Vulkangelände folgen und wir haben es geschafft. Mir kommt es so vor, als würde ich auf den Teidegipfel steigen, ich bin am Ende meiner Kraftreserven angekommen. Rien ne va plus bzw. nada va!

Fortsetzung folgt…..

 


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