11.11.2014 Parador De Las Cañadas Del Teide

Parador De Las Cañadas Del Teide, sprecht das einmal laut aus. Klingt das nicht wie Musik? Von außen eher schlicht anzusehen, aber innen, o lala, wie ein englischer Herrenclub vornehm und geschmackvoll eingerichtet.

DSC01364 DSC01365Ich bin heilfroh, als wir endlich an der Rezeption stehen, krame aus den hintersten Gehirnwindungen mein kläglich geschrumpftes Spanisch hervor und melde uns an. Wir haben in Deutschland direkt bei dem Hotel unsere Übernachtung gebucht und zeigen nun unsere Personalausweise und die Buchungsbestätigung vor. Während der Computer gefüttert wird, lasse ich mich im Foyer in einen Sessel plumpsen, endlich sitzen! Inzwischen bricht die Nacht herein, wieder Glück gehabt, dass wir im Hellen das Hotel erreichten.

Nach zehn Minuten ist der Verwaltung genüge getan, wir bekommen unsere Schlüsselkarte Zimmer-Nummer 111 am 11.11. und ab geht es mit dem Fahrstuhl in die 1. Etage. Die Zimmerausstattung ist gediegen und es ist kuschelwarm, welch ein Luxus nach den Anstrengungen. Ich lasse alles fallen, ziehe meine verstaubten Sachen aus, stürze ins Bad und stelle mich lange, sehr lange unter die heiße Dusche, um meinen Körper zu entspannen. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, welchen Schreck ich bekomme, als ich meinen linken Oberschenkel im Spiegel sehe – alles blau, zwei Megahämatome zeigen das Ausmaß des Sturzes. Da hat mein Schutzengel heute aber ganz besonders gut auf mich aufgepasst, das hätte schlimm enden können.

Während Gabriele sich auf Vorderfrau bringt, liege ich wie erschlagen im Bett und würde am liebsten gar nicht mehr aufstehen. Doch Hunger und Durst treiben mich wieder hoch und stellt sich die Frage aller Frauenfragen „Was ziehen wir an?“ Es ist ja nicht so, dass wir zwischen Abendkleid oder Zweiteiler wählen müssen, sondern aus dem, was nicht verstaubt ist, ein Outfit zusammenstellen. Bei Gabriele ist es einfacher, da sauber. Ich dagegen kann nur eine Thermostrumpfhose mit einer Caprileggins und einem fast staubfreien weißen Fleecepulli kombinieren. Mein BH hängt gewaschen im Badezimmer und ich fühle mich nicht sehr wohl. Aber egal, schließlich sind wir hier nicht auf Modenschau, die Wanderschuhe wieder an die Füße, die Windjacke über den neuen Ausgehtrend gezogen und ab ins Restaurant. Verflixt schick das Ganze und die meisten Gäste haben sich in Schale geworfen, wer schon einmal dort war, wird mir recht geben. Wir gönnen uns einen leckeren Rotwein, die Vegetarierin ihre heißgeliebten Papas arrugadas con mojo und einen Salatteller. Ich wähle den kanarischen Eintopf, stelle aber schnell fest, die Augen sind größer als der Magen.

Natürlich dreht sich unsere Unterhaltung über die Wanderung und dass hier und heute die Wanderzeit endet. Die Tour über den LLegado de Guajara nach Vilaflor werden wir morgen nicht in Angriff nehmen, dazu reicht die Kondition nicht mehr.

Den Sonnenuntergang haben wir leider verpasst und nun freuen wir uns auf  Sternegucken. Ich habe extra ein Zimmer mit Balkon bestellt, der wie ein Wintergarten wirkt und jetzt sitzen wir in dicke Wolldecken gewickelt hier draußen/drinnen, schlürfen unsere Piccolos und starren staunend in das Sternenmeer. Sternschnuppen regnen vom Firmament, tausende von Sternen leuchten am Himmelszelt, lassen Strapazen und Schmerzen vergessen und wir spüren die Größe der Natur. Wie klein wir Menschenkinder doch in Wahrheit sind, wie Staubkörner angesichts dieser gewaltigen Schönheit.

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Der Balkon / Wintergarten

 

Der Tag fordert seinen Tribut, ich schlafe fast ein und während ich mich im Bett einkuschel, bleibt Gabriele noch sitzen. „Komm mal gucken, der Mond geht auf“ ruft sie mir zu, ich denke nur „der kann mir jetzt gestohlen bleiben, ich bin müde“ und tauche ab ins Reich der Träume. Gesehen habe ich ihn in der Nacht dann doch noch, als ich zur Toilette muss. Das Bild vergesse ich mein Leben nicht mehr. Der Guajara als dunkle Kulisse im Hintergrund, der Himmel strahlend hell durch die vielen Sterne und die Mondsichel auf dem Rücken liegend dazwischen. Kein Foto der Welt kann die Stimmung und Gefühle angesichts dieser Schönheit auch nur annähernd wiedergeben. Also habe ich es auch erst gar nicht versucht.

Der Guajara in der Morgendämmerung
Der Guajara in der Morgendämmerung

 


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